Von dem Fieber, ein persönlich zugeschnittenes Tandem zu fahren

 

Im Februar 2011, nach 8 Sommerurlauben, einer nunmehr 16.000km Gesamt-Laufleistung zurückblickend,
hat unser TANDEM eine außerordentlich „gute Figur“ hinterlassen.
Ob von der Haustür weg bis an den Bodensee – an der Haustür startend durch den Osten bis nach Polen (Usedom)
oder startend in Wien, die Donau entlang bis Ulm, der Genuss zu zweit auf einer Maschine mit 7 Taschen,
Muskelkraft betrieben durch die Lande reisen, Körper, Geist und Sinne im Dahingleiten trainierend...... fantastisch.

 

 nach unserer 1.Fahrstunde im Februar 2003 auf einem Discounter-Parkplatz

 Unser ROHLING, oder auch "Erlkönig" genannt...

FREIHÄNDIG fahren - aber nur wenn es die Situation zulässt!

In 7 Tagen bis zum Bodensee, 225kg Gesamtgewicht.

Unser Tandem findet überall Platz - im Zug...

- im Mietwagen...

und immer gut im Hotel...

Das Tandem kommt bei jung und alt gut an...

Der Start in die Urlaubstour... Bereitet immer die größte Freude

 

 

Mit unserem (Bodensee) Tandem ist der Aktionsradius und der Fahrgenuß noch größer geworden: Fortan wird von "Flevolike" im nordischem Akzent gesprochen.

In dem Höhenwahn meldeten wir uns bei der Cyclevision 2003 für das 3-Stundenrennen an.

Ein heißes Sommerwetter, sengende Hitze waren angesagt, 1200 Trainingskilometer hatten wir getätigt.... es ging an den Start. Die ersten Runden verliefen gut, Sabine gab mir rhythmisch von hinten Trinkflasche, Powerriegel und Ermunterungen an. Wir waren nicht die langsamsten und auch nicht die schnellsten unter den Tandems. Im gemischten Rennen gab es viele Kommentare und insgesamt nur positives zu hören. So nach 1,5 Stunden ununterbrochenen Fahrens jedoch, einem stolzen Schnitt von über 33km/h, mussten wir nach einer Pinkelpause aufgeben. Warum? Ich konnte nicht mehr anfahren. Meine Muskeln waren Sauergefahren und schmerzten. Ich habe so etwas zuvor noch nie erlebt. War es das Wetter, Unterversorgung, morgendliches langes stehen auf der Messe, meine Sitzposition, die Klickschuhe die ich an diesem Rad noch nicht probiert hatte oder wer weis was??? Trainiert hatten wir eigentlich genug, aber man kann eben nicht genug trainieren - .

Ich begann hiernach den Sitz von der unteren Bespannung her zu verbessern und man ist ja nie am Ende. Innovationen müssen immer möglich sein.

Dann kam der Tag näher an dem die große Reise Los ging. Unser Rad lief rund, alle Details und auch die Großen Sachen funktionierten. Hier noch mal die technischen Besonderheiten und Daten

•         Zweirad für 2 Personen mit jeweils unabhängigem Antrieb, Vorderad und Hinterad angetrieben

•          Stahlrohrrahmen vierkant 40 x 1,5 St37 Baustahl, im Knickbereich 2mm Wandstärke

•          Knicklenkertechnik Flevo, demnach in zwei Teile teilbar

•          Hase-Pino / Kettwiesel Spannsitze, Neigungsverstellbar, Gurte einstellbar, Sitze abnehmbar

•          Fahrergrößen einstellbar von ca. 155 – 190 cm

•          Vorne doppel- hinten einfach- Magura Hydraulik Felgenbremsen

•          26“Laufräder, Doppel Hohlkammer Profil Felgen 36 Loch mit Messing Scheiben  2mm Nirosta-gespeicht, Dehnspeichen

•          Reifen Vredestein 35x559

•          Vorne doppel- hinten einfach- Magura Hydraulik Felgenbremsen

•          26“Laufräder, Doppel Hohlkammer Profil Felgen 36 Loch mit Messing Scheiben   2mm Nirosta-gespeicht

•          Reifen Vredestein 35x559 mit 4,5Bar gefüllt

•          2 Stk. Sachs 3x7 Schaltgetriebenaben im Stand schaltbar für Captain und Stoker unabhängig zu bedienen

•          Gepäcksystem für 8 Fahrradtaschen aus 10er Nirorohr gebogen, Kartennetz, 2x Niro-Petflaschenhalter

•          Dynamoseitenläufer AXA, Busch und Müller Standlicht-Beleuchtung

•          2 Stk. Sigma Tacho mit Trittfrequenz

•          SKS-Schutzbleche vorne und hinten

•          Kettenschutz nur für den Stoker: Teflonrohre

•          2 Stk. XT-Deore Shimano Schaltwerke und 2x2 Stk. Lenkerendschalter, Kassetten 12x28, 38-Kettenblätter,

•          Gesamt über alles Eigengewicht von 37kg

•          Gesamtgewicht auf der Bodenseereise: 37kg Gepäck, 150kg Captain+Stoker=224kg

•          Standlicht vorne und hinten Busch und Müller

 

Verbesserungen bis Km-Stand 5700

 

•          Im Stand schalten zu können ist sehr von Vorteil

•          Wir hatten Speichenbrüche, habe neue Dehnspeichen und neue doppelt geöste Felgen montiert,  - jetzt schon über 4000km Ruhe.

•          Bei einer Reifen-Panne ist ein Ständer nötig, geht aber auch auf einem Baumstumpf o. Parkbank o. Getränkekasten etc.

•          Stahlrahmenvorteile in Harmonie mit langem Radstand = Komfort ohne aufwendige Rahmenfederung bei entsprechenden Materialsorgen, aber eine Spannsitzfederung ist unabdingbar

•          Lampe ist im Weg beim Auf- und Absteigen, wird ev.noch geändert.

•          Habe die Sitzposition des Captains noch ein wenig mehr geneigt  - zum Vorteil der gewohnten Sitzposition des Flevo-Racers und allgemein

•          Die Zentralbohrung des Verbindungszapfens zur Teilung des Rades wurde bei der Herstellung etwas zu groß gebohrt. Durch Einschweißen von Verstärkungsringen in entsprechendem Maß wurde der Fehler beseitigt.

 

Fazit:

Nun nach der 2.Urlaubsfahrt, der 3. schon im Visier, mit Reisegeschwindigkeiten vom 23,5 er Schnitt mit Gepäck von 35-40kg lässt es sich absehen, unser Tandem macht sehr viel Spaß.

Das Aufeinander zu gemeinsam auf einem Rad, jedem seine Aufgaben verteilt -

kleinere Hügel ohne Schalten überwinden, - gemeinsam sind wir stark -

Die Kommunikation über die Pedalen spüren, Unterhaltung in ganzen Sätzen, jederzeit Kopf an Kopf füreinander da sein ist einfach Komfort.

Ampeln grün schleichen, Kartenlesen, Kreuzungsfrei mit Ansagen, Querverkehr frei, ja 4 Augen sehen halt mehr als 2 – bringen nicht nur Sicherheitsvorteile.

Oder sei es nur gegenseitiges Bekannt geben von Situationen im Strassenverkehr -

Was wir beschreiben wollen ist die Gemeinsamkeit zu zweit auf dem selben Rad, soviel Vorteil kann auf einem Tandem erradelt werden – aber eben nur nicht sofort – etwas Geduld und Übung erfordert das eben.

Die Verpflegung,  die Kamera, die Karten,  die Sonnenbrille,  ja Erfrischungen und viele Dinge können gefahrlos gegenseitig während der Fahrt angereicht werden. Das ist noch komfortabler als es sowieso schon auf dem Liegerad während der Fahrt zu handeln ist.

Übrigens, wir fahren, wenn es die Situationen erlauben, beide freihändig auf unserer Flevolike. Etwa in schnellen Kurven, auf übersehbarem Untergrund, auf gutrollenden Wirtschaftswegen und auf wenigbefahrenen Landstraßen einfach ein Hochgenus der mit Menschenkraft betriebenen Fortbewegung.

Außer dem kleinen Fahrfehler, jetzt kurz vor der 7000km-Marke angekommen, einem doch noch glimpflich ausgegangenen Sturz, ist in den 2 1/3 Jahren nichts außergewöhnliches aufgetreten. Der Sturz beinhaltete jeweils eine blaue Arschbacke bei meiner Frau und mir, mit den entsprechenden Beschwerden - die aber gut auszuhalten waren. Eben so, wie es bei den üblichen Stürzen mit Liegerädern der Fall ist.